akute zeiten


eine spurensuche als petitio principii

es sind die nichtigkeiten, die als verbindliches zu notieren sind. schreibt man sein tagebuch, darf banales nicht unterschlagen werden. Hans Christian Andersen hat im Kalender sogar ein kreuz für jeden onanierten tag eingetragen.

 
viele schaufensterpuppen sehen immer lebensechter aus. sie können sich bewegen und sogar sprechen. richtig lachen aber selten, während sich mir in horoskopen zu oft die frage nach dem sinn des lebens stellt.

 
die orthodoxie der tatsächlichen wirklichkeit.
alles geht weiter und bleibt beständig.
ein blick genügt.

 
es ist unvermeidlich, dass man sich wiederholt. manchmal besser, manchmal schlechter.
aber selten besser an einem mit viel kaffee verdünnten tag.

 
einem 17jährigenen mädchen wurde in Afghanistan die nase abgeschnitten, weil sie den ausgewählten mann nicht heiraten wollte. ein fotoreporter hat sie porträtiert und dafür einen internationalen preis bekommen, so dass millionen menschen ihr schandmal sehen.

 
nichts geht verloren. alles ist wichtig, es sei denn nicht.

 
auch Stephen Hawking glaubt nicht weiterhin, dass schwarze löcher informationen löschen. es darf nicht sein, dass einfach etwas verschwinden.

 
beim telekommunikations-anbieter telekom kann man jetzt zum einheitspreis mit zehn rufnummern gleichzeitig seine gespräche führen und dabei noch fernsehen und im internet surfen. das ist einfach zu viel für einen anschluss.

 
mir will sich gar nichts zukünftiges mehr vorstellen. ich bin zu sehr verwickelt in visionäres, ideales etc.
ob man noch hoffnung für die vergangenheit haben kann? für zu erwartendes ja schon lange nicht mehr.

 
immer häufiger stürmt das SEK in Berlin falsche wohnungen. türen werden eingeschlagen, kläffende hunde verletzt und brave mieter verschreckt, weil sich die speziell ausgebildeten beamten in der dunkelheit verirren.

 
akute zeiten sind keine richtig bedrohlichen, keine aufregend gefährlichen zeiten.
akute zeiten sind allzu lang verweilende zeiten.

 
es kann ja sein, dass die menschliche zivilisation erst in zig tausend jahren zugrunde geht, da alle bisherigen sorgen zu kleinlich sind.

 
China hat in der computertechnologie die USA und Japan abgehängt. der nun schnellste rechner der welt darf in Guangzho tera-floppen.

 
immer höher sinken.
die zukunft weiss alles besser, aber es nützt ihr nichts.

 
vieles wird radikaler und banaler. jetzt bietet man sogar einen aggressiven humanismus als politische schönheit auf.

 
wie leer ist das sinnieren, wenn einem bewusst wird, wie leer das eigene sinnieren sein kann. z.b. nach dem ende von kopf-schmerzen und dem anfang eines angenehmen nichts.

 
das triviale ist der kontrast zum allgemein verordneten lebens-ernst und kann deutlich machen, dass man harmlos ist oder es wenigstens gelegentlich sein möchte.

 
was man alles über sich verrät, wenn man alles notiert, was man denkt. es ist weder komplett noch geeicht.

 
der hier schreibt, das bin immer ich.
ich allein mit meiner notdurft.