akute zeiten


eine spurensuche als petitio principii

über 7.000 polizisten aus allen bundesländern belagern am 1.mai Berlin. das ist fast eine kriegserklärung.

 
der aufmarsch der Neonazis konnte aber am Tag der Arbeit nicht blockiert werden. das hat die polizei wieder erfolgreich verhindert.

 
so sehr auf alles gefasst, dass man fast nichts mehr anfasst. doch heute schon am nachmittag ein glorreicher ständer. man ist so klug wie ein rad, das ein stupendes hamsterrad ist.

 
die Bahn will drohnen gegen wilde sprayer einsetzen. gegen schwarzfahrer vielleicht irgendwann die AWACS-aufklärungs-flugzeuge der bundeswehr.

 
vor dem essen las sichs anders (besser).
noch immer die sehnsucht nach einem idealen buch. man will betrogen sein.

 
die zeitgenössische literatur ist nicht mehr jugendfrei, seitdem teenie- und youngstars vermehrt skrupellose bücher schreiben und veröffentlichen.

 
ein vormittag, an dem der himmel immer dunkler wird. zum 200. Wagner-geburtstag stellt sich das passende wetter ein. eine düster pompöse wolkengötterdämmerung.

 
der tägliche untergang des abendlandes in der tagesschau.
und wenn man nicht abschaltet, wird im darauf folgenden filmprogramm klar, dass er wohl beschlossen ist.

 
man ist hier, aber gar nicht mehr da.
wohlgeprüfte messungen haben ergeben, dass die erde sich kumulativ schneller dreht.

 
im Russland der korrupten oligarchen wünschen sich manche wieder die alte diktatorische Sowjetunion zurück. und dies mit einer steigender signifikanz.

 
immer noch hoffe ich, dass mir die familie für meine küchen-arbeit und vor allem für den täglichen abwasch, wenn nicht alles, so wenigstens einiges verzeiht.

 
für alles liegt inzwischen eine statistik mit prognosen vor. dem wahlvolk wird erklärt, wen es strategisch zu wählen hat, den unternehmen und börsianern, ob es auf- bzw. abwärts geht, und den verbrauchern, was sie zu kaufen haben.

 
es gibt berechtigte sorgen und es gibt unberechtigte sorgen.
die meisten sind jedoch weder das eine noch das andere.

 
weil sie zu teuer sind, erwägt die Europäische Zentralbank ein- und zwei-cent-münzen abzuschaffen. als ersatz gibt es vielleicht eine 98-cent-münze.

 
es wird heute so schnell dunkel, als ob die welt beleidigt sei.

 
die scheinhelligkeit der lichtjahre entfernten sternen-funde am nächtlichen himmel. manche existieren gar nicht mehr.

 
fortschritte der stammzellenforschung: die katholische kirche akzeptiert das klonen, solange es keine eizellen sind. es fehlt
an nachwuchs für das priesteramt.

 
die menschen hierzulande werden immer älter und kaum noch geboren, da potentielle eltern zu selten richtigen sex haben und angeblich kinder zu teuer sind.

 
mein letzter stromanbieter schickt mir endlich nach vielen bitten und dann drohen eine korrekte abschlussrechnung. stromsparen lohnt sich also doch.

 
die symmetrie des leibes garantiert, dass alles doppelt aus ihm herauswächst. aber der goldene schnitt offenbart, dass einiges nicht recht zueinander passt. z.b. die tränensäcke, die mund-winkel, die hängebacken...

 
die vielen sonnenanbeter auf der maiwiese am Wannsee. wenn man sie einzeln wahrnehmen müsste, würde man sie garantiert verwechseln.

 
am abend ist das eigene atmen ein heimliches selbstgespräch, und die zeit zwischen den stunden, die unheimliche zeit.

 
es ist noch möglich: sechs minuten funkstille im radio wegen einem stromausfall. das zu hörende rauschen war gestern nacht ein anarchisch angenehmes.

 
was man nicht aufschreibt, geht verloren. und was man doch aufgeschrieben hat, ist bereits verloren gegangen.

 
alles wird besser, aber nichts wird gut.
und auf wein reimt sich jetzt nein.