präzisionsvage


frank richter


greller wird geträumt
wenn die morgensonne
durch vorhänge flimmert

lang gefrühstückt
an tagen ohne ziele
und zitierende termine

in halbschlafbildern
nahverkehrlich gegähnt
als heimelige performance

im akt eigenen abfalls
körperliches reduziert
auf erratische winkgefühle

der bühnen leidlich
die es in grossen städten
mehr als erzählbares gibt





mein üben
ohne je anzufangen
im steten anfangen

als ein spätstarter
bin ich unbilanzbar
bar jeder fankurve

vielen zu hermetisch
die nicht mehr folgen
können oder wollen

mit schattensprüngen
andeutungsdeutlich
nur mundan global

quasi so als ob
ein hans im glück
der froschkönig sei





for sale
diese augusthitze
mitten im august

der himmel zerrissen
von kondensstreifen
und mitunter ein silber
sich pfeil dazwischen

spazierengehen immer
in uhrzeigerrichtung
ausflucht suchend
spazieren gehen

auf heissem asphalt
oder gelben sand
weit draussen sein
im märkischen land

eigentliches suchen
wo gewohnheitsorgane
hinter gardinen wuchern
und verteidigt werden

als versteckte öde
die peripherie urban
in einer losigkeit
lauernder gewalt





stunden ratzen
und einen alltag
daraus machen

im ab- wie zutreiben
die Müllerstrasse rauf
und als müssiggänger
retourniert runter

auf hartem pflaster
mang dönerdeutsch
oder gar nix deutsch

weit am himmel
ein blau suchend
als mitdurft





das abschneiden
der linken das verbiegen
der rechten hand

zum selbstabgleich
in zu kleinen spiegeln
ein amputiertes strecken

less aesthtic is more
ethic ist besser
als alles oder nichts

wie viele muskeln
wie viele falten wohl
einen körper zusammenhalten?

ist man keine zombie
gibt es zu jedem gegenzug
einen vorderzug





ohne ironie erscheint
vieles doppelt lächerlich
oder als ein aufschrei

wie just unverblümt
die politisch gemeine
bruttokorrektheit gegen
direktheiten in netto

beim medienwandeln
wird vieles oszillierend
gewichtig genommen

mit übertreibungen
bald unterlegenheitshoch
wieder supprimiert

destruktion & death
was für ein hybriswahn
was für ein zustand

wenn das in der hitze
zu sagende nicht wärmt
ja - was dann?






mit den kranken tauben
vor dem Hallischen Tor
eindeutigkeiten erfinden
die kakophonisch bleiben

so andere ist nur
redundantes vermeinen
um pausen zu füllen
in eloquenten blasen

für eigene geschichten
die defizitär bleiben
als vage hirngespinste
nie beschreibar sind

abends allein daheim
beim zählen der biere
als literarische informatik
als kalkuliertes dass






anstelle von sätzen
mal zahlen aufschreiben
als zahlenkolonnen

das ist diskret
doch was ist nicht diskret
in einer steuererklärung

ungedeckte sind ungültige
gedanken und kein kalauer
schützt vor konkursfall

manche werden verrückt
ohne erfolg oder depressiv
andere sind verrückt und
schon lange erfolgreich






der erste und der letzte
tabak schmeckt nicht
weil man zu viel raucht

seit weltverbesserungs-
faul jeder gedanken-
weitwurf ausbleibend
nicht missglückt

sich in eine wohnung
verwandeln und nicht
mehr herausfinden

ganz waagerecht ernst
mit phantomschmerzen
falls der kaffee fehlt

türkisch = tückisch
biene erhalte dir
deinen stachel

als heimliche
dir garantie





das soziale fühlen
und füllen müssen
in einer vita

dreck bestellen
sich zustellen lassen
als distanzgewinn

rabatt gibts mehro
im extrablatt 50 %
auf alles nochmal

dato, dito, toto
kein saldo ist eine
vollendete tatsache

was zählt ist
nicht das ergebnis
sondern der zähler





ein sonnentag ohne
metaphysische schwere
und beschwerde

die blätter fallen
schneller oder höher
im richtiger herbstwind

allein der drache
will nicht abheben
dem Tempelhofer Feld
trotz sprint nicht fliegen

weder rückwärts noch
vorwärts während ich
im hier und jetzt die
ruhe selbst bin





zwischen zehn und
fünf vieles gleichzeitig
erledigen ohne es
multitasking zu nennen

der täglichen bürosonne
als termite zuarbeiten
in jeden schraubstock
sich anwesend passen

hätte der tag nur
zwölf stunden wäre
erwartungserwartend
weniger zu mehren

der mensch ist eine
turingmaschine oder
kein zahmes tier





sinn oder die n-te
möglichkeit von unsinn
als alltägliche prosa

für wen man alles
verständlich und
geniessbar sein muss

bei immer mehr sendern
immer weniger empfängern
im weiten bekanntenkreis

wem man sich alles
erkenntlich dabei zeigt
um geschätzt zu sein

inmitten von zufall
bei dunkel spukenden
zerfallsbekanntschaften





die zeisige im hinterhof
deuten als quäkendes
zwitschern um bedeutung

als tägliche sprech-
vor der abendlichen
schweige- und ruhezeit

alles verdankt sich
vice versa der syntax
was man der syntax sagt

ist etwas mitteilsam
bedeutet es etwas
wird darin deutlich

dass nur alte penner
wie propheten aussehen
gibt dito zu bedenken

bei vagen erwartungen
mit kommunikativen
öffnungszeiten





ohne flatrate sich
bevorraten nur mit
ausfällen auskommen

mit wrong vs. bong
sein korsett anlegen
auf minimal bündeln

ohne rechtfertigung
herz bube pik und
klammer zu: ass
perfektion ist eine waffe

sie schafft distanz
zwischen sich wie
allem anderen





sehr verdächtig grau
der himmel draussen
beim abwarten drinnen

nicht zu gross und
nicht zu klein das leben
mit mass eine wohnung
die ich mir anziehen kann

passend als regressive
an einem novembertag
innig empfundene emphase

wie langeweile beschreiben
direkt oder indirekt - oder?
am besten gar nicht





aufschreibe und
abschreibezwänge

grosse wolken als prosa
kleine mokant lyrisch

was nicht erlebt wurde
ist aus der luft gegriffen

ein korrumpiertes meinen
so es öffentlich wird

beim kampf um reichweiten
und popularitäten

bleibt lebenslust lebenslist
bleibts originell, authentisch





regen verdünnt
asphaltierten hundekot
hühneraugen verhindern
ein peripatetisches denken

alles ist gut & günstig
eine abgekartete illusion
wie überzählige stellenanzeigen
für die niemand arbeiten will

vieles ist zu erwarten
trifft irgendwann ein
sofern man freigesetzt
allzu frei existiert

wie die lottozahlen
stets ohne gewähr
als bescheidenheit
oder grössenwahn





es wogt laue luft
dem späten abend
mit sternhypothesen

grossartiges ist nur
in der ferne zu haben
in einem aufschieben

als ein fortschreiten
in der abgewöhnung
von wünschen und
blanken orgasmen

kann der schwanz
noch lachen?

versuchs doch mal!





die schritte von oben
in der wohnung sind
das dreiste trampeln
auf meinem schädel

hört der nachbar
sein techno dazu
beginne ich jähzornig
alt auszusehen arg
älter zu erscheinen

oder ziemlich müde
wenn der bass-sound
mit einsetzender taubheit
dann ausgeschaltet wird

so hirnbecherleer
mit der einsicht dass
man doch ein derwisch
hätte sein können





bigger the smaler
wenn härter das
kommen kommt

damit deutlich wird
das wieder nichts
allzu deutlich wird

mit einem vorbereiteten
gesicht kann man gut
vor gesichtern bestehen

taillierte frauen meiden
welche sehr verfügbar
am rande der strasse

in der mitte von Berlin
mit lebenslust oder
mehr lebensfrust

mit lebensfrust
als lebenslist





lieber ein bierbauch
als ein weinmund
um leeren zu füllen
müdigkeit zu dopen

zum glück bin ich
kein alkoholiker
kann noch süchte
tragen und wagen

das leben erdichten
und auf missklänge
gedanken abklopfen

alles was ich im alter
nicht mehr weiss
weiss ich mit würde





auf- und abgelistet
die fernsehprogrammung
ohne anfang noch ende

break even pointiert
umkreist pixelflimmern
nebulöse gedanken

konturlos und deutlich
mein schweifen in luftfragmenten

wo ich mich hineinfreuen
wo ich abblättern kann

so richtig frei
mit übertreibung


© frank richter