präzisionsvage


frank richter


schneller träumen
wenn die sonne durch
die vorhänge scheint

an tagen ohne ziel
und ohne frühsport
in sich camoufliert

ein leben in u-bahnlinien
mit halbschlafbildern
als verpasste performance

ohne körperblick
winkgefühle imitieren
ganz akt der entfremdung

auf allen theaterbühnen
life die es in meiner stadt
mehr als brücken und
erzählbare geschichten gibt





die zeisige im hinterhof
deuten als ein rares
zwitschern an den rändern

mitten wrong und bong
sich ein korsett anlegen
jedes fremde tirilieren
auf ein minimum bündeln

ohne rechtfertigung
herz bube pik und
klammer zu: ass
perfektion ist eine waffe

sie schafft distanz
zwischen sich und
allen anderem





zwischen zehn und
fünf vieles gleichzeitig
erledigen ohne es
multitasking zu nennen

der täglichen bürosonne
als termite zuarbeiten
und jedem schraubstock
anwesenheit erzeugen

hätte der tag nur
zwölf stunden wäre
erwartungserwartend
weniger zu mehren

der mensch ist eine
turingmaschine oder
ein zahmes tier





auf fit for fun
reimt sich heute
profan hit to run

bei der büroarbeit ist
man weder bei der sache
noch sonstwo präsent

ereignet sich wenig
bleiben die augen
nach innen gerichtet

unfähig zur unfähigkeit
da in einem kopf alles
auf ein hirn zurückgeht

oder daheim leiblich
und voller lebenslust
mit genau 152 pfund
falls mit der hantel ich
auf der waage stehe





sinn oder die n-te
möglichkeit von unsinn
in lyrik oder prosa

für wen man alles
verständlich und
geniessbar sein muss

bei immer mehr sendern
und weniger empfängern
im weiten bekanntenkreis

für wen man alles
erkenntlich und
geschätzt sein muss

inmitten von zerfalls-
bekanntschaften die erst
im dunkeln spuken





anstelle von sätzen
zahlen aufschreiben
mal zahlenkolonnen

das ist trivial
doch was ist nicht trivial
in einer steuererklärung

ungedeckte sind ungültige
gedanken und kein kalauer
schützt vor gar nichts

manche werden verrückt
ohne erfolg oder depressiv
andere sind verrückt und
schon lange erfolgreich






ein charmetag
zum verführen zum
hand anlegen

im ab- wie zutreiben
die Müllerstrasse rauf
und als müssiggänger
wieder runter

zwischen getretenen
asphaltriten und
dönerdeutsch
ganz gleichwie
egalwo

das auf den himmel
gebrachte himmelsblau

als mitdurft





man ist nicht nur
ehrgeizig man ist
auch pessimist und
selbsterfindlich

wenn namen unsicher
und fakten nur fakten sind
ein symptom des falschen
oder des richtigen lebens

wie Wolgograd und
nun in den nachrichten
sechs tage im jahr
wieder Stalingrad genannt

man kann gespinste
finden oder erfinden
um sie auszudrücken

oder total übernüchtert
gegen sich revoltieren und
alte rekorde brechen

doch nicht zu entschuldigen ist
dass selbst die verrückten
stetig langweiliger werden

denn stell dir vor
du bist überdreht und
niemand bemerkt es





das abschneiden
der linken das verbiegen
der rechten hand

an jedem morgen
in zu kleinen spiegeln
ein amputiertes strecken

less aesthtic is more
ethic ist besser
als alles oder nichts

wie viele muskeln und
wie viele falten wohl
den körper zusammenhalten?

falls man keine zombie ist
gibt es zu jedem gegenzug
auch einen vorderzug





regen verdünnt
asphaltierten hundekot
hühneraugen verhindern
den peripatetiker und
alles ist gut & günstig
alles was man kaufen soll

oder tückisch
und banalentsetzlich
wie stellenanzeigen so dass
man überhaupt nicht
angestellt sein will

alles ist zu erwarten
solange man freigesetzt
ein allzu freier bleibt
trifft es irgendwann ein

wie die lottozahlen
seit je ohne gewähr
als bescheidenheit
oder grössenwahn





ohne ironie erscheint
vieles doppelt lächerlich
oder als aufschrei

wie gerade unverblümt
gegen sinkende einkommen
die allgemein wachsende
bruttozufriedenheit

beim medienwandeln und
turbo-kommunizieren wird
man wahrgenommen
mitten im meinungsluxus

mit übertreibungen und
missverständnissen auch
unterlegenheitshoch
schnell wieder ignoriert

destruktion & death
was für ein hybriswahn
was für ein zustand

wenn das in der hitze
zu sagende nicht wärmt
ja - was dann?






mit den kranken tauben
vor dem Hallischen Tor
eindeutigkeiten erfinden
die sich selber ausdrücken

kakophonie ist ein
redundantes vermeinen
um pausen zu füllen
mit eloquentem blasen

für eigene geschichten
die defizitär bleiben
und voller hirngespinste
noch aufzuschreiben sind

abends allein daheim
beim zählen der biere
als literarische informatik
und kalkuliertes dass





sich in eine wohnung
verwandeln und nicht
mehr herausfinden

da weltverbesserungs-
faul der gedanken-
weitwurf ausbleibt und
somit nicht missglückt

ganz waagerecht-ernst mit
phantomschmerzen falls
auch der kaffee fehlt

türkisch = tückisch
biene erhalte dir
deinen stachel

als heimliche
stete garantie





ein spätstarter
bin ich ohne erfolg
bar einer fankurve

andeutungsdeutlich
bei schattensprüngen
in völliger dunkelheit

oder zu hermetisch weil
viele nicht mehr folgen
können oder wollen

grübeln erhält jung
macht aber falten
quasi so als ob
ein hans im glück
der froschkönig wär





bigger the smaler
wenn härter das
kommen kommt

damit deutlich wird
das wieder nichts
allzu deutlich wird

mit einem vorbereiteten
gesicht kann man gut
vor gesichtern bestehen

oder bei geschminkten
frauen sehr verfügbar
am rande der strasse

inmitten von Berlin
mit lebenslust oder
auch lebensfrust

mit lebensfrust
als lebenslist





das soziale fühlen
und füllen müssen
in einer vagen vita

oder dreck bestellen
sich zustellen lassen
als distanzgewinn

rabatt gibts mehro
im extrablatt 50 %
auf alles nochmal

dato, dito, toto
kein saldo ist eine
vollendete tatsache

was zählt ist
nicht das ergebnis
sondern der zähler





ein sonnentag ohne
metaphysische schwere
und beschwerde

die blätter fallen
schneller oder höher
im richtiger herbstwind

allein der drache
will nicht fliegen dem
Tempelhofer Feld trotz
sprint nicht abheben

weder rückwärts noch
vorwärts während ich
im hier und jetzt die
ruhe selbst bin





die schritte von oben
in der wohnung sind
das dreiste trampeln
auf meinem kopf

und wenn der nachbar
sein techno hört das
gefühl in wutausbrüchen
alt auszusehen arg
älter zu erscheinen

oder ziemlich müde
wenn der bass-sound
mit einsetzender taubheit
dann ausgeschaltet wird

so hirnbecherleer
mit der einsicht dass
man doch ein derwisch
hätte sein können





die tägliche sprech-
vor der abendlichen
schweige- und ruhezeit

et vice versa alles
verdankt man der syntax
was man der syntax sagt

ist es mitteilsam
bedeutet es etwas
und wird deutlich

oder geht verloren
beim aufschreiben und
nochmals beim lesen

diese vagen erwartungen
und kommunikativen
öffnungszeiten





sehr verdächtig grau
der himmel draussen
beim abwarten drinnen

nicht zu gross und
nicht zu klein das leben
mit mass meine wohnung
die ich mir anziehen kann

an manchen novembertag
erst regressive dann
progressive emphasen

wie langeweile beschreiben
direkt oder indirekt - oder?
am besten gar nicht





aufschreibe und
abschreibezwänge

grosse wolken als prosa
kleine mokant lyrisch

vieles ist aus der luft
gegriffen einiges erlebt

korrumpiert was man
meint und aufschreibt

beim kampf um reichweiten
und popularitäten

bleibt lebenslust lebenslist
bleibts originell, authentisch





mit einem leeren kopf
unter sternenglitzer das
sommerloch verdösen

der erste und der letzte
tabak schmeckt nicht
weil man zu viel raucht

nach dem serienfilm
werden menschen-
jahre zu hundejahren

und gartenzwerge
hinter liebeshörigen
wänden indiskret

jene deutungshoheit
allein am rande der
bedeutungslosigkeit

endlich stille und
nicht müde diese nacht
muss mir gehören





es wogt die laue luft
dem späten abend
mit sternhypothesen
ist grossartiges allein
in der ferne zu haben

oder aufgeschrieben
für das morgige wägen
und streichen um jeden
missklang abzuklopfen

als ein fortschreiten
in der abgewöhnung
von wünschen und
leeren orgasmen

kann der schwanz
noch lachen?

versuchs doch mal!





lieber ein bierbauch
als ein weinmund
um manche leere zu
füllen da ausbleibt
der nötige schlaf

zum glück bin ich
kein alkoholiker und
kanns also noch
tragen und wagen

für ein gedicht
das ein ganz banales
nämlich dieses ist





auf- und abgelistet
das fernsehprogramm weil
mir nicht nach poesie ist

und die pfeife verstopft
leergebrannt aber
nie abgebrannt

break even

im flimmern der
pixel die umrisse
nebulöser gedanken

konturlos aber deutlich
ein abschweifen in luftfragmenten

wo man sich hineinfreuen
wo man von sich abblättern kann


© frank richter