präzisionsvage


frank richter


das abschneiden
der linken das verbiegen
der rechten hand

zum selbstabgleich
in zu kleinen spiegeln
ein amputiertes strecken

less aesthtic is more
ethic ist besser
als alles oder nichts

wie viele muskeln
wie viele falten wohl
einen körper zusammenhalten?

ist man keine zombie
gibt es zu jedem gegenzug
einen vorderzug





die blätter fallen
schneller und höher
im böigen herbstwind

allein der drache
will nicht abheben
vom Tempelhofer Feld

trotz sprint weder
rückwärts noch
vorwärts aufsteigen

während im hier
harrend ich jetzt
die ruhe selbst bin

an einem tag schwer
ohne metaphysik
und beschwerde





der erste und der letzte
tabak schmeckt nicht
da man zu viel raucht

anstelle von sätzen
mal zahlen aufschreiben
als zahlenkolonnen

triviales ist diskret
doch was ist nicht diskret
in einer steuererklärung

ungedeckte sind ungültige
gedanken und kein kalauer
schützt vor konkursfall

manche werden verrückt
ohne erfolg oder depressiv
andere sind verrückt und
schon lange erfolgreich





mit den kranken tauben
vor dem Hallischen Tor
eindeutigkeiten erfinden
die kakophonisch bleiben

jenes vernehmen ist
in eloquenten blasen
redundantes vermeinen
um pausen zu füllen

für eigene geschichten
die defizitär bleiben
wie vage hirngespinste
kaum beschreibar sind

erst spät allein daheim
beim zählen der biere
als literarische informatik
sich kalkulieren im dass




sich in eine wohnung
verwandeln und nicht
mehr herausfinden

ebenda ein weitwurf
von gedanken ausbleibt
und nicht missglückt

weltverbesserungsfaul
ein korsett schnüren
auf minimal bündeln

ganz waagerecht ernst
mit phantomschmerzen
falls der kaffee fehlt

türkisch = tückisch
biene erhalte dir
deinen stachel

als heimliche
ganz deine
garantie





dreck bestellen
sich zustellen lassen
als distanzgewinn
im steten streben

rabatt gibts mehro
im extrablatt 50 %
eine kurze zeitlang
auf alles nochmal

dato, dito, toto
das soziale fühlen
ein saldo ist keine
vollendete tatsache

was zählt ist
nicht das ergebnis
sondern der zähler




for sale
diese augusthitze
mitten im august

der himmel zerrissen
von kondensstreifen
und mitunter ein silber
sich pfeil dazwischen

mein spazieren gehen
in uhrzeigerrichtung
unentwegten wegen
ein spazieren gehen

auf heissem asphalt
oder gelben sand
ganz weit draussen
im märkischen land

mein spalierlaufen
wo hinter gardinen
arg und wöhnisch
augenblicke harren

der urbanen peripherie
ein fremder bleibend
in einer losigkeit
lauernder passion




mein werdegang
ohne je anzufangen
im steten anfangen

als ein spätstarter
bin ich unbilanzierbar
bar jeder fankurve

vielen zu hermetisch
die nicht mehr folgen
können oder wollen

in schattensprüngen
andeutungsdeutlich
tönt mein hybriswahn

quasi so als ob
der hans im glück
ein froschkönig sei





stunden ratzen
einen diffusen tag
daraus machen

im ab- wie zutreiben
die Müllerstrasse rauf
und als müssiggänger
retourniert runter

auf hartem pflaster
mang dönerdeutsch
oder gar nix deutsch

weit am himmel
ein blau suchend
als mitdurft




regen verdünnt
asphaltierten hundekot
hühneraugen verhindern
peripatetisches denken

alles ist gut & günstig
eine anhaltende illusion
wie überzählige stellenanzeigen
die nie vergeben werden

wenig ist zu erwarten
trifft irgendwann ein
zufallend einem ich
das freigesetzt lebt

wie die lottozahlen
stets ohne gewähr
als bescheidenheit
oder grössenwahn




zwischen zehn und
fünf vieles gleichzeitig
erledigen ohne es
multitasking zu nennen

der täglichen bürosonne
als termite zuarbeiten
in einem schraubstock
sich anwesend passen

hätte der tag nur
zwölf stunden wäre
erwartungserwartend
weniger zu mehren

der mensch ist eine
turingmaschine oder
kein zahmes tier




für wen man alles
verständlich und
geniessbar sein muss

bei immer mehr sendern
immer weniger empfängern
im weiten bekanntenkreis

wem man sich alles
erkenntlich herzeigt
um geschätzt zu sein

anonym randomisiert
inmitten von spukenden
zerfallsbekanntschaften

sinn oder die n-te
möglichkeit von unsinn
als alltägliche prosa

wenn das in der hitze
zu sagende nicht wärmt
ja - was dann?




die zeisige im hinterhof
deuten als quäkendes
zwitschern um bedeutung

eine tägliche kunde
vor der abendlichen
schweige- und ruhezeit

allerlei verdankt sich
vice versa der syntax
was man der syntax sagt

ist etwas mitteilsam
bedeutet es etwas
wird darin deutlich

nur dass alte penner
wie propheten aussehen
gibt dito zu bedenken

bei vagen erwartungen
mit kommunikativen
öffnungszeiten




es wogt laue luft
dem späten abend
mit sternhypothesen

ohne ironie erscheint
vieles doppelt lächerlich
oder als ein aufschrei

grossartiges ist nur
in der ferne zu haben
in einem aufschieben

als ein fortschreiten
in der abgewöhnung
von wünschen und
heimlichen orgasmen

kann der schwanz
noch lachen?

versuchs doch mal!




die schritte von oben
in der wohnung sind
das dreiste trampeln
auf meinem schädel

hört der nachbar
sein techno dazu
beginne ich jähzornig
alt auszusehen arg
älter zu erscheinen

oder ziemlich müde
wenn der bass-sound
mit einsetzender taubheit
wieder ausgeschaltet wird

meist hirnbecherleer
mit der einsicht dass
ich doch ein derwisch
hätte sein können




bigger the smaler
wenn härter das
auskommen wird

so deutlich wird
dass ohne lebenslist
nichts deutlich wird

mit einem vorbereiteten
gesicht kann man gut
vor gesichtern bestehen

taillierte frauen meiden
sehr verfügbar posend
am rande der strasse

in der mitte von Berlin
mit lebenslust oder
mehr lebensfrust

mit lebensfrust
als lebenslist




weiter wird geträumt
wenn morgens die sonne
durch vorhänge flimmert

ausgiebig gefrühstückt
an arbeitstagen ohne ziel
bar sollizitierender termine

in halbschlafbildern
nahverkehrlich gegähnt
als authentische performance

im akt eigenen abfalls
körperliches reduziert
auf erratische winkgefühle

der bühnen unverblümt
die es in grossen städten
mehr als erzählbares gibt




aufschreibe und
abschreibezwänge

grosse wolken als prosa
kleine mokant lyrisch

was nicht erlebt wurde
ist aus der luft gegriffen

ein korrumpiertes meinen
mithin es öffentlich wird

beim kampf um reichweiten
und popularitäten

bleibt lebenslust lebenslist
bleibts originell, authentisch




lieber ein bierbauch
als ein weinmund
um leeren zu füllen
müdigkeit zu dopen

zum glück bin ich
kein alkoholiker
kann noch süchte
tragen und wagen

mir leben erdichten
und auf missklänge
gedanken abklopfen

alles was ich im alter
nicht mehr weiss
weiss ich mit würde


© frank richter