g-punktierungen


frank richter


so direkte töne
dem morgengrauen
im radio getacktet

aktuelles vermelden
ist immerdar neues
zur vollen stunde

wichtig scheint vieles
es sei denn nicht
gleich omnipräsent

wie mein kaffeesatz
mit verfallsdatum und
speichelverschluckungen





ich lächle zu wenig
und habe es bisher
nicht weiter als bis
nach Berlin geschafft

in über zehn jahren
weder einen Wannsee
noch einen anderen
Wahnsinn durchrudert

ohne wo und wann
meine reisephobie ist
mir reichweitennah
entwegte einsiedelei

ein anhin residieren
auf probe hausendes
ach ohne ausflucht





gegen vieles sein
und trotz alledem
auch dazu gehören

mit solitärer brenn-
jeder kragenweite
die soziale teilhabe

abzählbarer teil sein
während zinsen sinken
und die credits steigen

wo fakten fakten bleiben
fingieren rechnungen
sich immer virtuoser

als eine affirmative
als meine doppelte
buchführung





sehr verdächtig grau
der himmel draussen
das abwarten drinnen

mit mass meine wohnung
die ich mir anziehen kann
weder zu geräumig noch
zu beengt behausend

an einem novembertag
passend in eine regressiv
durchhaltende emphase

wie langeweile beschreiben
direkt oder indirekt - oder?
am besten gar nicht




privat und indiskret
wie im amateurfilm
die müden blicke
vorm arbeitsbeginn
im s-bahn verkehren

zwischen Ost- und
Westkreuz nebenköpfe
die ins leere reden
träg oder schweigen
distanziert asynchron

beschränkt auf stetes
um- oder einsteigen
mobilisierte haltungen
mit vehemenzexistenz

beim warten und gleich
gültig sein immerfort
im separaten sehnen
nur auf was eigentlich?





regen auf der stirn
pochende erfischung
in achtelnden tönen

die anfänge der wolken
gehen nach und nach
verloren als träume
bar einer erinnerung

jedes aufwachen ist
dem morgigen trott
aufschiebar fungibel
ein somatischer trieb

doch ohne orgasmus
wäre es passabler
nicht hochstapeltief
allein zu frühstücken





das wohnen wie
arbeiten verdichtet
sich perfektioniert

als ein höhenflug
allweil freigesetzter
im stolzen hundesein

steigen die mieten
mediatisieren sich
körper unbehaust

ohne anfang endlos
break even pointiert
im steten flimmern

ein bio-adapter
generiert jedem
cosinus sein aussen

in terabyte-clouds
sieht sich die zukunft
holografisch virtuell





ein verborgenes
überleben mang
büchern und bildern

ich will gesucht sein
im eigenen schatten
um besser versteckt
mich fest zu halten

ohne zählzwang
erdenke ich dummes
banal mir gegen jede
gemein- und peineinheit

für ein lebenswerk
gebe ich mit tatkraft
wenig was abzählbar
oder verkündigung ist

die regeln der aleatorik
garantieren eine vielfalt
der meinungen als ball-
spiel des möglichen





könnte man morgens
in der früh arbeiten
dann hätte man es
schneller hinter sich

könnte man montags
dem blues sagen
was stete der freitag
wochenendlich fröhnt

könnte man einmal
zugeben: einfälle
kommen ohne absichten
unverhofft oder nie

so selten fällt
das denken leicht
nur beim ausreden
geht es auch ohne





stell dir vor
du bist überdreht
und keiner bemerkt es

immens angeknackst
arg von einem zahnweh
wo keine zähne sind

destruktion & death
was für ein hybriswahn
was für ein zustand

unerklärlich bleibt
warum selbst verrückte
langweiliger werden

wofür soll man sich
noch begeistern?

für implosionen -
oder für explosionen?





in der nacht mehren sich
versprecher im fernsehen
für die lebensvortäuschung
werden katastrophen aktuell
das risiko einer restlatenz
für jeden egoshooter

divers im globalen rausch
mit blinkenden sternen
die bloss flugzeuge sind
dieweil viele wünsche
sirrend sich auflösen

gäbe es mich nicht
müsste ich kaum
rekorde neu anvisieren
mich ergründen und
dauernd erfinden

mein rückwärtsrollen
weniger rechtfertigen
können oder gar
müssen zu müssen





sich scherze zufügen
um von anderen
scherzen abzulenken

beim rechtfertigen
oder verteidigen ohne
angegriffen zu sein

dieweil Wolgograd
sechs tage im jahr
umbenannt wieder
ein Stalingrad wird

unterlebensklein
an tagen mit viel
vor- wie nachsicht

immer öfter Ja sagen
und vermessen dabei
die arme verschränken

der knoten im hals
bleibt das allzu
verständliche





wie überzeugend
schnappatmen ist
pure übereinkunft

auch sozialbetrug
falls entbehrlich wer
sein dasein erschleicht

da hauptberuflich
noch immer ohne beruf
schickt das amt die formulare

mindestens zehn hoch
zehn zumutungen dazwischen
eine appellative leere

in die renitent
sich meine hybris
hineinlegen kann

an stichtagen
die sanft würgen





sehr reibungsbloss
auf der richterskala
mein nobles brüten
über mein brüten

an unzähligen tagen
ohne faules fernsehen
und so auch heute

etwa 500 wörter gelesen
geschrieben aber
weniger als 30

kann man den kopf
über das knie brechen?

man kann wenn
man kann





die früchte der nacht
als ernte des tages
und selten umgekehrt

mithin das aufhören
eine überforderung ist

manchmal reicht es aus
einfach abzuwarten

wenn ich im streiten
ganz bei mir weile

mitunter ist es nötig
unverblümt zu drohen

in einem anderen leben
würde ich anderes
hoffen oder beklagen

an tagen ohne ideen
an tagen mit viel
verständnis





für querdenker
mehr narrenschiffe
braucht das land

mit künstlichen und
halben intelligenzlern
gilts sich upzudaten

disponibel zu sein
medial gut trainiert
ein ping-pong spieler

in echtzeit hyperaktiv
als drauf- wie drunter
geher beim vorspielen

für weitere vorspiele
ohne dankeschön
das macht angst





mit einem leeren kopf
unterm sternenglitzer

in einem sommerloch
ohne deutungshoheit

derweil offene fenster
liebeshörig stöhnen

mit einem serienfilm
unbefriedigt bleiben

in hundejahre leere
stunden umrechnen

nicht müde diese nacht
sie muss mir gehören


© frank richter