akute zeiten


eine spurensuche als petitio principii

30 grad im schatten und über 40 in der sonne. das ist mit 50 keine wonne. ich muss duschen gehen, um heute noch etwas bemerkenswertes denken zu können.

 
der automatismus von balkonblumen: solange ich sie giesse, halten sie parade. vergesse ich es, neigen sie sich demutsvoll.

 
im Berliner sommer wird ein spezial-karneval präsentiert, man lädt wieder zur innovativen modemesse Fashion Week ein.

 
die internationalen geheimdienste überwachen mittlerweile den gesamten kommunikationsverkehr. aber zu vernehmlichen protesten kommt es kaum. die menschen haben einfach keine richtigen geheimnisse.

 
in den supermärkten sind die tiefkühlregale in diesen heissen tagen entweder leer oder mit isoliermatten verhängt. wegen einem drohenden kälteverlust.

 
die sehnsucht nach dem meer.
und ab und zu in der nacht ein brausen im ohr.
an ruhigen tagen ist das leben zu sicher.

 
Mallorca will den Ballermann-tourismus abschaffen. das müsste doch auch für Berlin ein lohnenswertes ziel sein?

 
andauernd per e-mail das glücksversprechen, man habe einen preis gewonnen und müsse nur seine kontodaten übermitteln. freilich, um dann als grosser loser dazustehen. aber wenn es doch einmal der fall wäre? man kann es gar nicht mehr glauben und gewinnt somit überhaupt nichts.

 
die ganze zeit im kopf. und ab und zu einen bruchteil, den man vergisst.
wahrnehmung einzig mit dem gefühl von mangel.

 
die kontinuierlich wachsende zahl von psychotherapeutischen praxen in Berlin. die verrückten werden wohl deshalb immer langweiliger.

 
was auch immer man sich ausdenkt und erfindet, es bleibt etwas substanzloses. man ist ein medienmensch und alles das, was man selber nicht sein kann, allenfalls virtuell.

 
tattoos sind eine leidliche mode geworden und oft entsetzlich geistlos. für die meisten sollte man einen bekleidungszwang einführen. auch bei extremer sommerhitze.

 
wegen einer fahrscheinkontrolle mit der ringbahn ein kreuz gefahren. schwarzfahrer kommen manchmal ins gefängnis, steuerhinterzieher wie der FC Bayern-chef Hoeness dürfen mit ihren schwarzgeldkonten in der Schweiz weiterhin prominent bleiben.

 
meine bruttogewissheit, und meine nettozweifel.
wer seine probleme liebt, kann sich ihrer sicher sein.

 
nach einer grossen überschwemmung brechen in einer südafrikanischen zuchtfarm über 200 krokodiele aus. die Lacoste-werbung wird immer aufdringlicher.

 
Google erkennt auf seinen internet-karten Palästina als eigenständigen staat an. demnächst vielleicht Kurdistan, Lappland, den Tibet, Korsika und auch Bayern.

 
die wahrheit liegt in der übertreibung. wer nicht zuspitzt und tendenziös sich erklärt, der lügt. doch es wird weiterhin alles untertrieben und verharmlost, damit des leben erträglich bleibt.

 
in deutschland gelten inzwischen 500.000 menschen als mediensüchtig.

 
in einem traum habe ich letzte nacht ein buch für das kommende jahrhundert geschrieben. es bestand einzig aus vokalen.