nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

zu viel blau im himmelsblau. an schönen aussichten gibt es keinen mangel. es fehlen grundsätzliche aussichten.
 

meinen bildern und videos mangelt es an eindeutigen thesen und an wahrnehmbaren höhepunkten. sie enthalten alle einen hang zur langeweile, den ich benötige, um sie fortsetzen zu können.
 

die harmlosigkeit der aktuellen kunst. man darf sogar den Hitlergruss zeigen, weil es bloss kunst ist.
 

man kann von den menschen nicht erwarten, dass sie respekt vor der kunst haben. und man darf es ihnen nicht übel nehmen, wenn sie keinen respekt haben.
 

man hat keine schmerzen mehr, bloss noch beschwerden, reklamationen, petitionen und böse leserbriefe.
 

leben bis zur unergründlichkeit.
frei und unbestimmt sein wie eine wolke, nicht wie der wasser-dampf.
 

selten konkret ist der tolldreiste kitzel von perlen in feuchten schlitzen.
was im grossen und kleinen sich ereignet, ist so phantastisch, dass es einzig mit einer absurden einbildungskraft vorstellbar bleibt.
 

bei mancher attraktiven hochglanzfrau in der werbung vermag man sich überhaupt nicht vorstellen, dass und ob sie überhaupt defäkieren muss. aber wenn sie dann im fernsehen ihren mund öffnet und beim reden nur noch mund ist, ja dann...
 

trotz frühjahrsmüdigkeit mal was auf die beine stellen, um den kopfstand aufzugeben.
 

ein platz zum arbeiten, ein platz zum essen, einer zum lesen, zum schlafen, zum sinnieren, zum koitieren, einer zum nichtstun und einer zum garnichtstun... mein lebens- und arbeitsraum gleicht einem hyperwürfel, der aus acht gleich grossen kuben besteht, wobei der letzte alle anderen enthält.
 

self.thinking = self.target + self.position;
ich muss mich belügen, mir etwas vormachen. desto mehr bin ich mit mir identisch und umso weniger irgendetwas anderes.
 

obwohl lange genug abgehört, sind keine stimmen aus der steckdose zu vernehmen.
man kann nicht auf das unbekannte, auf eine überraschende erlösung hoffen. das unbekannte ist so unwahrscheinlich wie selten.
 

meine aktuelle steuererklärung: ich habe wieder mehr geld ausgegeben, als ich besitze.
bin ich nun vorsteuerabzugsberechtigt?
 

pervertierte welt: trotz sehenswerter tore, dramatischer fouls und dadaistischer trainer-statements bei der EM gingen dieses jahr mehr menschen in ein museum als in ein fussballstadion.
 

von allen wolken verlassen, die noch zu zählen sind.
heute will ich fröhlich sein, weil ich glaube, ich sei es bereits.
 

die ab und zu aufkommende sehnsucht nach einer richtigen einsamkeit, um mal wieder der einzige zu sein, ein bisschen einzigartig.
 

verdünnungszwang: eine weinschorle, ein milchkaffee, ein küsschen zur begrüssung... und tief im kopf der traum von einem cunnilingus.
 

abwege, umwege. oft aber abwege, wegen zu vieler umwege.
ich entwickele mich mit projekten, die ich mir verbiete. mit projekten also, die ich mir bloss vorstelle.
 

rot, blau, rot, rot, grün, blau, grün, blau, blau, rot, grün, rot, blau, grün, rot und dann blau.
wegen einer fulminanten abendstimmung potenziert sich der himmel zu einem geheimnisvollen versprechen. nicht um eine erklärung, sondern um sympathie zu erschleichen.
 

kein grund zum aufhören, kein grund zum weitermachen.
ich bin mit mir nie zufrieden genug, um wegweisendes zu malen.
 

wenn man am nächtlichen himmel eine sternschnuppe sieht, sollte man einmal laut sagen, was man sich nicht wünscht. vielleicht kann nur noch eine solche regelverletzung verhindern, dass nicht alles in erfüllung geht.
 

viele meiner arbeiten sind mängel- oder mangelexemplare.
je mehr man sich korrigieren kann, weil man es muss, desto mehr wird man ein besserwisser. man weiss, wie manches hätte besser werden können.
 

ich sollte nicht zu oft schöpfer spielen, lieber stets das gleiche machen. dann kommt der erfolg irgendwann von selbst.
wer sich immer redlich müht, darf irgendwann auf sich stolz sein.
 

welch eine zerstörerische kraft in spätnächtlichen phantasien schlummert, so dass man sie sich am tage verbieten muss. damit z.b. stühle zum sitzen übrigbleiben, am tisch weiter geschrieben werden kann und das haus bewohnbar bleibt.
 

"born to be wild."
was man nicht mehr zu träumen wagt, steht jetzt auf grossen plakatwänden.
 

die amnesie mancher traumlandschaften sind wundersame spinnengespinste.
die anfänge der wolken gehen nach und nach verloren wie die anlässe mancher wünsche. meine wirklichen absichten habe ich immer zu schnell vergessen.
 

die farben eines bildes sagen nichts über die farben eines bildes aus.
es ist peinlich, bilder erklären zu müssen. es ist, als übermale man sie.
 

alles ausgeschaltet, abgeblendet und kein wind mehr vor den fenstern. das blut fängt an zu pulsieren, der herzschlag erhöht sich um einige dezibel.