nullsummenspiele


logbuch eines kunstschaffenden

heute sieben liter regen pro quadratmeter und ein tropfen homöopathen-sonne dazu.
 

ich bin gegen die todesstrafe und ich habe noch nie davon geträumt, berühmt zu werden oder in einer eigenen villa zu wohnen. ebenso kann ich keine partei der mehrheit wählen.
deshalb bloss parataktische bekenntnisse.

 
für den lebensunterhalt schickt das amt, solange stipendien und künstlerpreise ausbleiben, die nötigen formulare. diese papiere stellen mir eine leere zur verfügung, in die ich mich unverfroren hineinlegen muss.
 

bei steigender quote leben bereits fünf millionen arbeitslose hierzulande. und die falschen faulenzer erkennt man immer noch daran, dass sie doch lieber arbeiten würden.
 

niemand kann sich in seiner arbeit völlig erschöpfen. es bleibt immer ein rest an energie übrig. für den zweifel an dem sinn aller verausgabung.
 

minimalistischer traum: auf einem stuhl in einem stuhl sitzt ein stuhl mit gespreizten stühlen, während eine hand mit der hand die hand ihrer besten hand wählt...
meine bilder sind mein phantasieren in ihnen und ich könnte verständlicher sein, aber damit würde ich niemandem einen gefallen erweisen.
 

momentan keine idee, keinen allgemein verständlichen einfall und auch keinen regelwidrigen ausfall. bei wem werde ich mich dafür entschuldigen müssen?
 

der begabte künstler kann impressionen festhalten, die keiner sich vorstellen will, und er kann bilder imaginieren, die er sich nicht einmal selbst ansehen möchte. die phantasie beginnt zu kreisen, wenn das verstehen-wollen aufhört.
 

nach der preisverleihung: er hat erfolg, sie hat erfolg und ich habe ichfolg. erntet einer einen lorbeerkranz, hat er die richtige pflanze gewählt und muss dann das haupt neigen.
 

die stete zunahme an ausstellungen, messen, kunsthäusern und newcomern. der durchschnitt wächst und überwuchert alles andere.
 

ohne blauen dunst keine kunst. es wird wieder handwerkliche perfektion von erfolgreichen meisterschüler ausgestellt, die mit viel akribie alles vervollkommnen.
 

kann man innovationen statistisch erfassen? im rauschen gibt es die geringste redundanz und die höchste wahrscheinlichkeit für geniale erfindungen. man muss sie allerdings finden im oszillieren sich potenzierender medienkanäle.
 

mit dem ende der moderne können die überbietungsstrategien der avantgarden bloss unterboten werden. in der kunst gibt es keinen haltbaren fortschritt. es verbrauchen sich allzu rasch neuerungen.
 

"lust ist alles. meisterwerke sind keine wiesenbenützungen. leidenschaftlichkeit ist talion. witze sind inzeste. die moral ist ein kettenhadel."
Walter Serner
 

nach der technomusik oder einem abendfüllenden actionfilm in den hellhörigen wohnungen der nachbarschaft ein stöhnen und seufzen. ob mit scham oder ohne charme, man kann ziemlich harmlos sein.
 

wegen einem durchschauvermögen zu wenig lust auf zu vieles.
ich möchte manchmal wie Malewitsch ein schwarzes quadrat malen, über alles ein schwarzes quadrat malen. über wirklich alles.
 

kunst als volkssport: in den hinterzimmern der kontemporär spezialisierten galerien schlummern die nächsten namen als heissluftballons. sie bereiten schatten vor, die sich bald selbst übertreffen werden.
jeder bekannte künstler ist die parodie eines noch bekannteren.
 

die stars der unterhaltenden medienlandschaft sind doping-sportler, amokläufer oder prominente steuerhinterzieher. selbst wenn sie nichts zu sagen haben, die höchste aufmerksamkeit ist ihnen garantiert.
 

wie lächerlich, dass man berühmt sein will, obwohl man sich kennt.
the best-of is the top of the best-of. maybe dacapo.
 

klammgeil statt klammheimlich sich ein korsett anlegen, das alle kräfte auf ein minimum bündelt und jede ausschweifung in die schranken weist.
 

neurologen haben endlich bewiesen, dass ein menschliches gehirn im ziellosen ausharren keinesfalls faulenzt. etliche regionen sind beim träumen, meditieren oder schlummern wesentlich stärker aktiv als beim zielgerichteten denken.
 

carpe diem. am ausbleibenden schwung erkennt man den hartnäckigen zweifler.

 
prosaischer könnte ich leben und schreiben. aber...