scheitern(hoch)x


gedanken aus der hocke

tagelang faul im bett abhängen, um die ruhe der abgesagten arbeit zu geniessen und um sich in der einsamkeit nach einer uneigentlichkeit sehnen zu können.
 

kann man als ein zur schrift begabtes wesen ein rätsel bleiben?
man relativiert sich mit vagen zweideutigkeiten, man sehnt sich danach, keine spuren zu hinterlassen, obwohl man mühsam das gegenteil betreibt.
 

nichtssagenden, unwesentlichen füllwörter in geständnissen, sie sind so entbehrlich und dennoch kann kaum jemand auf sie verzichten. fehlen sie in einem satz, beginnt jeder unweigerlich nach ihnen zu suchen, da das immunsystem in einer sterilen welt zu überreaktion neigt.
 

was ich im müssiggang alles über mich in erfahrung bringe, mithin ich in der zeitung auch das horoskop lese. potentiale werden zu leeren möglichkeiten, welche man wie wuchernde metastasen nicht mehr loswird.
 

soll man sich die blösse geben, eine schwäche zu gestehen?
man kann mit seinen geständnissen anderen menschen einen schrecken einjagen, um sich von ihnen dann wieder beruhigen zu lassen.
 

der sympathische prominente kam, sah und siegte in der talk-show nach 22 uhr. bei populären persönlichkeiten kann man sich im spätprogramm keine niederlagen vorstellen.
 

wenn man sich ständig in den sätzen eines anderen wieder-findet, aus einem fremden speichelfluss ausgestossen wird und dies wort für wort schlucken muss...
man wächst mit jedem vorbild, das einem erspart bleibt.
 

bloss noch widersprüchliche pamphlete unterschreiben, verquere parteien wählen und in gesprungenen spiegeln das eigentliche gesicht suchen. in seiner disparaten ablehnung ist der mensch frei und unbeschränkt. ohne eindeutiges motiv kann niemand vereinnahmt werden.
 

keine widerrede ohne den einspruch gegen den einspruch. selbstbezügliche meinungen sind ein echolot, wenn sie wie eine fledermaus ihr revier abtasten.
 

wie viel zeit ich manchmal für einen text verwende und wie viele texte ich einzig für den papierkorb schreibe. wer sich
der vergeblichkeit seiner bemühungen bewusst ist, muss auf vorzeigbare ergebnisse verzichten und begreift irgendwann, dass er mit seinem verzicht im recht ist.
 

in schlaflosen nächten stellen sich neue einsichten ein, wenn ein bewusstsein über das hinausgeht, was es verstehen kann. aber es verwirft ein solches wissen wieder, sobald es sich mitzuteilen beginnt.
 

"wo sie am schönsten sind, in ihrer vereinzelung, sehen die menschen einander nicht. jede verzweiflung, die man vor einem anderen menschen zeigt, ist zum vorwurf gegen ihn entleert. wir jagen mit unseren schwächen und strafen wie Artemis demjenigen mit tödlicher verachtung, vor dem wir uns eine empfindliche blösse gaben."
Botho Strauss
 

stets diese abgebrochenen gespräche. immer dieselben sätze, immer derselbe abgebrochene rest.
unplugged overconnected!
 

Niklas Luhmann: das unwahrscheinliche zustandekommen der kommunikation ist die garantie der kommunikation als system.
 

von den unzähligen ideen, die ich entwickele, sind nur wenige von belang. leider sind sie kein äquivalent für all meine bereits verworfenen einfälle. sie bezeugen alles in allem die dürftigkeit eines denkens, das seine ansprüche kennt.
 

wenn in streitgesprächen jeder satz mit einem weiteren erklärt werden muss. wenn rede und widerrede sich mehr und mehr in die höhe schrauben. ja, dann bleibt oft nur der stumme rückzug als flucht.
 

auch als der situationist Guy Debord seine späten bücher und filme veröffentlichte, blieb seine verweigerungshaltung gegen-über dem common sense konsequent. immer war er seinen kritikern wie im wettlauf der igel dem hasen um eine runde voraus. trotzdem hat es ihm nichts genützt, da biographen heute seine lebensstrategie auf eine psychotische paranoia zurückführen.
 

hermetische manifeste mit neologismen schreiben und immer wieder fakes faken. es ist besser, mit eloquenz zu überzeugen. schweigen kann als zustimmung verstanden werden.
 

das genau und intensiv angehen, was alle nebenbei erledigen. ein konsequenter lebensstil überzeugt irgendwann.
doch wie lange muss ein ehrgeiziger mensch sich und anderen vortäuschen, etwas zu sein, bis er endlich damit überzeugt.
 

Rahel Varnhagen in einem brief: es muss ein jeder überschätzt werden, sonst wird er gar nicht geschätzt.
 

in einer sprache denken, in der kein bekanntes wort vorkommt, keine einzig geläufige phrase, nicht eine einzige silbe, die an etwas gelerntes erinnert. am leichtesten ist es, in einer selbst-erfundenen sprache zu schweigen.
 

die klarstellung zwischen den zeilen: man sagt allzu gern, dass man zu wenig weiss, und man begründet es immer mit klugen argumenten.
 

ÜBERWUNDENER ADORNO: lieber im falschen leben als im falschen kino landen.