mikado als symptom


(eine vage klarstellung)

als Teenager wollte ich unbedingt ein Instrument spielen, nicht immer nur hören, wie es andere konnten und damit eine beneidenswerte Geselligkeit um sich scharrten. ich erkor mir dazu die Gitarre, welche bei geselligen Runden als Wanderklampfe in Mode war. nur schien es so gut wie unmöglich, eine irgendwo zu kaufen. also baute ich mir aus Sperrholz die eigene. in einer Schultischlerei hatte ich es gelernt, Holz passgenau zu verleimen, und es klappte ganz gut, nur die Stege setzte ich mehr symbolisch als wohltemperiert. ich übte so lange darauf Akkorde, bis ich in Prag eine richtige von gesparten Kronen erwarb. sie war billig und dementsprechend klang sie. aber das spielte keine Rolle. als musikalisch unbedarfter Mensch blieben meine Erfolge sowieso bescheiden. dies hat mich freilich nicht davon abgehalten, auf meinen Reisen als Tramp mit einem kleinen Repertoire zu dilettieren. zumeist waren es die Kirchenlieder aus einem Heft, das ich mit verzeichneten Akkorden von einem Jugendpfarrer beschenkt bekam. und so sang ich dann vor mich hin: "Herr erbarme dich" oder ähnliches und es war zum Gotterbarmen.
es dauerte eine Weile, bis ich das Klampfen als Experiment aufgab. ich hatte es jedenfalls ausprobiert und dabei meine Feinmotorik perfektioniert. gelegentlich durfte ich später mit einer geborgten E-Gitarre in einer Punk-Band auftreten und während meiner Armeezeit in einem Klubhaus mit einer Fender experimentieren. bei ihr hat man einen satten Sound und hallige Effekte, die bei Musikern, welche nicht mehr als drei Akkorde anschlugen, damals äusserst beliebt waren. ohne jenen Zusatz vermochten nur die Liedermacher auf ihren teuren Konzertgitarren ein Publikum beeindrucken. wer wie ich keine Noten lesen konnte und mehr Drive brauchte, brillierte lieber auf der Luftgitarre, bei der nur zu einem rockigen Sound aus dem Lautsprecher ein Rhythmusgefühl nötig ist. gut performt ähnelt es dann den Auftritten von Bands, welche im Fernsehen oder bei Volksfesten playback spielen.
es war mir früh klar geworden, dass ich über kein grosses musikalisches Talent verfüge und es unbedingt eine enorme Begabung braucht, um in einer Kunst Fuss zu fassen. ergo erwählte ich mir die bildende und halte noch heute in ihr die Stellung. hier darf ich als ein Spätentwickler vor mich hinbröseln und als Überflieger ganz bei mir bleiben. es muss nur ab und zu etwas vorgelegt werden und mitunter reicht es aus, den unfruchtbaren Arbeitsprozess zu thematisieren. Musiker vermögen solches kaum, sie müssen täglich hart trainieren. in jungen Jahren entscheiden sie sich für ein Instrument, üben täglich fürs Konservatorium, während andere nach der Schule herumgammeln und abends fernsehen oder mit dem Computer spielen. mit viel Mühe schaffen sie es eventuell in eine Musikhochschule, um am Ende höchst selten in einem Konzertsaal zu landen. mit meiner Ungeduld hätte ich dies nie durchgestanden.